Nach WM-Erfolg: DBBL startet mit zehn Teams und 6+6-Quote in die Saison

The short version
- DBB-Team holt bei der Heim-WM in Berlin vor 12.000 Zuschauern mit Platz vier das beste Ergebnis bei einem großen Turnier
- Bundestrainer Olaf Lange kritisiert halbprofessionelle Strukturen und eine seit den frühen 2000er-Jahren abwärtsgerichtete Entwicklung der Bundesliga
- Ab dieser Saison gilt die 6+6-Quote: Sechs von zwölf Spielerinnen im Spielberichtsbogen müssen einen deutschen Pass besitzen
- DBBL startet weiter mit zehn Teams – Jena, Heidelberg, Bochum und Leverkusen verzichteten auf den Aufstieg
- Nur Alba Berlin und der Mitteldeutsche BC sind mit Frauenteams in der höchsten deutschen Spielklasse vertreten
Nach Platz vier bei der Heim-WM in Berlin beginnt die Frauen-Basketball-Bundesliga eine Saison, in der die Liga professionalisiert und sichtbarer werden soll.
Drei Wochen nach dem Ende der Heim-Weltmeisterschaft in Berlin beginnt die Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) ihre neue Saison. Das Turnier hatte dem deutschen Frauenbasketball eine bislang unbekannte Bühne geboten: Gespielt wurde vor 12.000 Zuschauern, so viele Fans hatten die deutschen Basketballerinnen nie zuvor erlebt. Das DBB-Team holte mit Platz vier das beste Ergebnis bei einem großen Turnier und gewann dem Sport zahlreiche neue Anhänger.
Der Kontrast folgte unmittelbar. Noch in den Katakomben der Berliner Arena, kurz nachdem die Spielerinnen vom Publikum verabschiedet worden waren, zog Bundestrainer Olaf Lange eine bittere Bilanz über den Zustand des Frauenbasketballs in Deutschland: Die Entwicklung der Bundesliga sei seit den frühen 2000er-Jahren abwärtsgerichtet, die Mehrzahl der Vereine halbprofessionell organisiert, die medizinische Versorgung katastrophal. Er müsse inzwischen dafür sorgen, dass die Top-Spielerinnen ins Ausland gingen, sagte Lange, und warnte: Ohne Veränderungen in der Liga sei der WM-Erfolg nicht zu bewahren.
Diese Kritik ist nicht neu – auch Nationalspielerin Leonie Fiebich hatte die Verhältnisse schon früher angeprangert. Langes offene Worte erschweren dennoch den Auftakt einer Spielzeit, die vom Schwung der Heim-WM hätte zehren können.
Ireti Amojo, die neue Vorsitzende der DBBL, schließt sich der Kritik an den Strukturen an. Die frühere Nationalspielerin koordinierte zuvor bei Alba Berlin den Mädchen- und Frauenbasketball. Vor dem Saisonstart verglich sie die Aufgabe, die vor der Liga liegt, mit einem Marathon; ihr Anspruch: Die Bundesliga müsse wachsen und an Professionalität zulegen.
Beschlossen ist bereits ein Baustein: Seit einem Ligabeschluss von 2023 steigt der vorgeschriebene Anteil deutscher Spielerinnen Schritt für Schritt. Ab der laufenden Saison müssen sechs der zwölf Spielerinnen im Spielberichtsbogen einen deutschen Pass besitzen. Eine solche 6+6-Regel wurde in der Männer-Bundesliga vor mehr als zehn Jahren gegen erhebliche Widerstände eingeführt und gilt dort inzwischen als eine Grundlage für die Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften.
Hintergrund ist die Zusammensetzung der Kader: Bei vielen Klubs spielen Frauen aus den USA und anderen führenden Basketballnationen die Hauptrollen. In der Vorsaison war Alex Wilke – eine von drei Bundesliga-Spielerinnen im WM-Kader – die einzige Deutsche unter den zehn punktbesten Werferinnen der Liga. In der 2. Bundesliga sollen künftig zudem nur zwei Importspielerinnen je Team erlaubt sein, damit junge deutsche Talente mehr Einsatzzeit erhalten.
Weitere Schritte sind angedacht: Die Liga will Auflagen etwa zur Größe der Spielstätten und zur Zahl hauptamtlich beschäftigter Trainer im Jugendbereich nach und nach erhöhen. Viele Klubs bringen dafür bislang nicht die nötigen finanziellen Mittel auf.
Unverändert bleibt die Zahl der Teilnehmer. Vor der Saison war eine Erweiterung auf zwölf Teams im Gespräch gewesen, auch um der DBBL mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Die Zweitligisten aus Jena und Heidelberg, mit denen über Wildcards gesprochen wurde, verzichteten auf den Schritt nach oben – genau wie Bochum und Leverkusen, die ihre Aufstiegs-Playoffs für sich entschieden hatten. Damit gehen weiterhin zehn Teams an den Start.
Zusätzlichen Rückenwind erhofft sich die Liga von den Marken des Männerbasketballs. Bislang sind nur Alba Berlin und der Mitteldeutsche BC, zu dem das Team aus Halle gehört, in der höchsten Spielklasse vertreten. Alba ist für seine Nachwuchsakademie bekannt und entwickelt sich zur Anlaufstelle für junge deutsche Spielerinnen: Die 17-jährige Mia Wiegand, ein großes Talent, wechselte vor der Saison nach Berlin. Auf Nachfrage signalisierte der FC Bayern Interesse am Frauenbasketball, dessen Frauenteam derzeit in der Regionalliga spielt; Präsident Herbert Hainer sagte der dpa, zuerst müsse der Männerbasketball vorangebracht werden – beim FC Bayern gehe nicht alles gleichzeitig.
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