Bundesliga-Klubs beraten am Montag in Frankfurt über die Zukunft der 50+1-Regel

The short version
- Montag (05.10.2026): Das Liga-Präsidium stellt den 36 Klubs in Frankfurt erste Schlüsse aus der Bundeskartellamt-Stellungnahme vor.
- Das Amt hält 50+1 für mit europäischem Recht vereinbar – aber nur bei einheitlicher Anwendung; die Ausnahmen für Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg sind damit problematisch.
- Anfang Dezember entscheidet die offizielle Mitgliederversammlung; der Ligaverband sucht einen rechtssicheren Kompromiss.
- Auf der Eintracht-Frankfurt-Mitgliederversammlung am 19. Oktober läuft ein Antrag auf sofortige Neufassung ohne Übergangsfrist.
- Klubs wie Dortmund, Schalke und Köln sprechen sich für die Regel aus; Fans protestierten zuletzt mit Tennisbällen.
Nach der Stellungnahme des Bundeskartellamts beraten die 36 Klubs von Bundesliga und 2. Liga am Montag in Frankfurt über 50+1 – im Dezember könnte entschieden werden.
Frankfurt steht am Montag (05.10.2026) im Zentrum der nächsten Runde im Ringen um die 50+1-Regel: Das Präsidium der Liga will den 36 Klubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga erste Bewertungen der Stellungnahme des Bundeskartellamts vorstellen. Die Regel ist zwar nicht das einzige Thema der Zusammenkunft, doch erstmals seit dem Behördenschreiben vom August kommt Bewegung in die Debatte. Der Druck, eine Lösung zu finden, wächst. Für Anfang Dezember ist eine offizielle Mitgliederversammlung der 36 Vereine angesetzt.
Das Bundeskartellamt hatte im August geurteilt, dass 50+1 grundsätzlich mit europäischem Recht vereinbar ist – allerdings nur, wenn sie für alle Klubs auf dieselbe Weise gilt. Genau daran krankt die aktuelle Praxis: Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg sind offiziell von der Regel befreit. Bei RB Leipzig kritisierte das Amt zudem, dass die Struktur für Neumitglieder kaum offen sei. Auch dem Ligaverband wurde ein Mangel attestiert: Es fehle eine Systematik, die sicherstellt, dass Klubvertreter so abstimmen, wie ihre Vereine es wünschen.
Der Ligaverband steht damit in einer juristischen Zwickmühle. Würde die Regel sofort durchgesetzt und den beiden Ausnahmeklubs ihr Sonderstatus entzogen, drohen Klagen der Vereine oder der Konzerne hinter ihnen. Läuft alles unverändert weiter, könnten andere Investoren die Regel mit Hinweis auf eine Ungleichbehandlung angreifen. Gesucht wird deshalb ein Kompromiss, der 50+1 rechtssicher macht.
Das Präsidium hatte öffentlich erklärt, sich weiter für den Schutz und den Fortbestand der Regel einzusetzen, und Lösungen im Ligaverband angekündigt. Im Hintergrund werden Vorschläge gesammelt, um die von der Behörde beanstandeten Punkte abzuarbeiten. Der zentrale Punkt ist eine Anpassung der Strukturen von Leverkusen und Wolfsburg – ein Prozess, der Verhandlungen erfordert und dauern kann. Das Bundeskartellamt selbst signalisierte, dass wegen des wirtschaftlichen und sportlichen Gewichts der Regel auch ein längerer Übergangszeitraum sachgerecht sein könne.
Die Geduld dafür ist gleichwohl nicht überall vorhanden. Zur Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt am 19. Oktober hat ein Mitglied einen Antrag eingebracht, der die Eintracht Frankfurt Fußball AG auffordern soll, sich umgehend und ohne weitere Frist für eine Neufassung der Regel einzusetzen – unter vollständiger Berücksichtigung der Vorgaben des Bundeskartellamts. Die Stoßrichtung lautet: 50+1 für alle, ohne Übergangszeit. Sollte ein solcher Kurs unter den Klubs Mehrheit finden, wird im Ligaverband ein Rechtsweg der beiden bislang befreiten Vereine befürchtet – mit möglichen Folgen für die Regel selbst. Die Bundesliga hatte betont, eine „solidarische Lösung“ finden zu wollen.
Zahlreiche Klubs haben sich positioniert. Jörg Alvermann, Vizepräsident des 1. FC Köln, verlangte nach Bekanntwerden der Stellungnahme „gleiches Recht für alle“ und eine ausnahmslose Geltung der Regel. Borussia Dortmund erklärte, der Klub und seine Fans stünden „klar zur 50+1-Regel und ihrem langfristigen Erhalt“. Schalkes Geschäftsführer Matthias Tillmann nannte die Regel „unverhandelbar“. Einige Vereine wollen zugleich mehr Druck auf Leverkusen und Wolfsburg ausüben, damit diese ihre Strukturen angleichen.
Der größte Druck kommt aus den Fanblöcken. In Erinnerung sind die Tennisball-Proteste gegen die gescheiterten Investorenpläne der Bundesliga, bei denen am Ende vor allem die 50+1-Frage im Zentrum stand – ausgelöst durch den Verdacht, Hannover 96 habe gegen Sinn und Zweck der Regel verstoßen. Neue Protestaktionen in dieser Qualität gelten im Ligaverband als große Sorge.
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