Eishockey: Schwarze Spieler berichten von Rassismus und Stillschweigen

The short version
- Moussa Hackert (RB Juniors Salzburg) und Marcnel Bathe (EV Ravensburg) berichten von wiederholten rassistischen Belästigungen.
- Hockey-is-Diversity-Gründer Martin Hyun hat Hunderte nicht öffentlich gewordener Fälle dokumentiert und kritisiert die fehlende Aufarbeitung.
- DEL2 sieht kein Strukturproblem, die DEL meldete zwei Jahre lang keinen Fall, der DEB sieben Fälle seit Anfang 2025.
- Nach einem rassistischen Vorfall beim DEL-Heimspiel der Augsburger Panther ermittelt die Polizei.
- Spieler fordern Punktabzüge und Sperren für Täter statt nur Geldstrafen und Stadionverbote.
Schwarze Spieler berichten von rassistischen Anfeindungen im Eishockey – Hockey is Diversity kritisiert das Schweigen der Verbände, die Ligen widersprechen.
Zwei deutsche Nachwuchsspieler haben von wiederholten rassistischen Anfeindungen im Eishockey berichtet. Moussa Paul Hackert, geboren in Mali, und Marcnel Bathe, geboren in Haiti, wurden als Kinder von deutschen Eltern adoptiert. Beide sagen, dass Rassismus in ihrer Sportart zum Alltag gehört – gesprochen werde darüber jedoch kaum, während Diskriminierung im Fußball öffentlich verhandelt wird.
Hackert ist 18 Jahre alt, deutscher Junioren-Nationalspieler und spielt für die RB Juniors Salzburg in der Alps Hockey League, in der Klubs aus Österreich, Italien, Kroatien und Slowenien antreten. Für Toptalente gilt diese Liga als letzte Station vor dem Profibereich; Hackert strebt einen Einsatz für Deutschland bei Olympischen Spielen an. Aufgewachsen in Schwaben und zuvor bis zur U15 im Nachwuchs der Bietigheim Steelers aktiv, sammelte er nach eigenen Angaben häufig rassistische Erfahrungen. Dokumentiert sind zwei Vorfälle aus der vergangenen Saison: Im November 2025 beschimpften ihn Fans des HC Meran mit dem N-Wort, im März in Gröden streckte ihm ein Zuschauer aus dem Fanblock auf dem Weg in die Pause eine Banane entgegen. Mitspieler meldeten den Vorfall; Hackert selbst hätte ihn wieder abgehakt.
Auch Bathe hat als Spieler immer wieder Rassismus erlebt. Er erinnert sich an einen gegnerischen Trainer, der seine Mannschaft anwies, den schwarzen Gegenspieler unter Verwendung eines rassistischen Schimpfworts nicht durchzulassen – Bathe traf damals aus Wut viermal. Der 23-Jährige arbeitet als Mechaniker und trainiert eine Jugendmannschaft; beim 1B-Team des EV Ravensburg, dem Stammverein der DEL2-Klub Tower Stars, ist er noch gemeldet, plant aber wegen mehrerer Gehirnerschütterungen das Karriereende. Ein Oberliga-Vorfall habe ihn besonders belastet: Als ein Gegenspieler nach einem Bodycheck am Eis lag, riefen gegnerische Fans rassistische Sprüche – sie meinten nicht den Schiedsrichter, sondern Bathe selbst.
Martin Hyun, früher Profi bei den Krefeld Pinguinen und Gründer der Initiative Hockey is Diversity, hat Hunderte solcher nie öffentlich gewordener Fälle gesammelt. Der in Krefeld geborene Sohn südkoreanischer Einwanderer war selbst Ziel rassistischer Anfeindungen. Weil es so wenige schwarze Spieler und People of Color im Eishockey gebe, schwiegen Betroffene meist und versuchten, nicht aufzufallen – eine Situation, die Hyun als perfide beschreibt, da sie ohnehin sichtbar seien. Seinem Verein würden jährlich zweistellig viele Fälle gemeldet, die auf Wunsch der Spieler und Eltern vertraulich behandelt würden, aus Furcht, als schwierig zu gelten oder Repressalien im Verein zu erfahren.
Die Ligen bewerten die Lage anders. DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch zufolge stellt Rassismus im Eishockey kein Struktur- und kein verbreitetes Problem dar. Die DEL verzeichnete in den vergangenen zwei Jahren keinen gemeldeten Fall – diese Angabe stammt aus der Zeit vor einem rassistischen Zwischenfall beim ersten DEL-Heimspiel der Augsburger Panther Mitte September, bei dem es anschließend auch zu Gewalt unter Fans kam; die Polizei ermittelt. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) meldet sieben Fälle seit Beginn des Jahres 2025, räumt jedoch eine gewisse Dunkelziffer ein.
Hyun erkennt dagegen ein strukturelles Problem im Umgang der Sportart mit Rassismus und bemängelt vor allem das Schweigen im Anschluss an Vorfälle. Die Eishockey-Community sehe sich gern als Familie, doch entscheidend sei, wie mit Menschen umgegangen werde, wenn etwas geschehe. Im Fußball würden Verbände jeden Vorfall bis in den untersten Amateurbereich erfassen und öffentlich machen; im Eishockey blieben meist nur kurzlebige Empörungsbeiträge in sozialen Medien und gelegentliche Anti-Rassismus-Aktionen. Es fehlten nachhaltige Aufarbeitung, Meldestrukturen und Ansprechpartner; sportgerichtliche Verfahren würden häufig zügig eingestellt. Erwartet habe er nicht, dass Vereine jeden rassistischen Gedanken verhindern, so Hyun, wohl aber, dass sie Verantwortung für ihre Reaktion übernehmen.
Die Spieler fordern härtere Konsequenzen. Bathe kann mit dem Klischee wenig anfangen, Rassismus sei vor allem ein Problem der Fußball-Fans; das Thema werde so klein geredet, dass die Öffentlichkeit annehmen könne, im Eishockey gebe es schlicht keine Diskriminierung. Hackert sagt, er werde im Spiel ständig so beleidigt, dass es der Schiedsrichter nicht bemerke. Er wünscht sich mehr Öffentlichkeit und Aufklärung sowie schärfere Strafen: Punktabzüge und Sperren für Täter statt ausschließlich Geldstrafen für Vereine und Stadionverbote für einzelne Zuschauer.
DEB, DEL und DEL2 wiesen die Vorwürfe gegenüber der Sportschau als nicht berechtigt zurück. Die DEL verwies auf gemeinsame Projekte mit Hockey is Diversity als Beleg dafür, dass das Thema ernst genommen werde. Rudorisch betonte, die DEL2 verharmlose keinen Vorfall.
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